Von RPGs bis Overwatch: Jenny ist Gamerin

Seit Jenny 10 Jahre alt ist, haben Games sie fest im Griff ;)

In Pokémon HeartGold investierte sie schon damals über 300 Spielstunden. Als Spieletesterin bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zockt sie mittlerweile mehr als 100 Games im Jahr und in ihrer Freizeit noch einige mehr...

"RPGs(Role Playing Games) finde ich total faszinierend. Ich mag Games mit einer fesselnden Geschichte, in die man beim Spielen eintaucht. Mir ist es wichtig, dass ich mich mit den Spielcharakteren identifizieren kann - je bunter und interessanter sie sind, desto besser!"

Wenn sie mal keine Lust auf RPGs hat, verabredet Jenny sich zu Multiplayer-Shootern. Hier spielt sie oft mit Freund*innen aus dem realen Leben. Sie hat aber auch schon internationale Freundschaften über die Gaming-Community geschlossen. Zurzeit spielt sie am liebsten Overwatch: "Ich finde es klasse, dass bei diesem Game so viel in die Entwicklung der einzelnen Charaktere gesteckt wird und ihre persönlichen Geschichten erzählt werden. Jeder Charakter lässt sich ganz anders spielen. Strategie ist hier sehr wichtig. Anstatt einfach nur auf Geballere und gutes Zielen zu setzen, lautet das Motto: Easy to learn, but hard to master."

Als Sniper unterwegs zu sein, hat sie sich lange nicht getraut - aus Respekt vor dieser Königsdisziplin. Aber Mut wird bekanntlich belohnt: Mittlerweile kann sich Jenny einen 'smooth as silk' -Shot auf die Fahne schreiben. Die Freude darüber war so groß, dass sie glatt vergaß, den Moment zu speichern. "Ich habe aber ein 'In-Game Achievement' dafür bekommen. Ich kann also beweisen, dass es wirklich passiert ist. Sonst würde mir das nicht jeder glauben..."

Wenn Jenny erzählt, dass sie zockt, sind die Reaktionen anderer Gamer sehr unterschiedlich: Es gibt die Tester, die Jennys Skills sofort mit den absurdesten Fragen überprüfen wollen - 'Wie viele Hosenknöpfe hatte Mario im Jahre 1995?' Anderen fallen beinahe die Augen aus dem Kopf. Wenn sie zum 100. Mal zu hören bekommt, wie toll und außergewöhnlich sie doch sei, muss Jenny innerlich immer ein bisschen schmunzeln. Es gibt aber auch Gamer, die sich als Beschützer aufspielen und Jenny im Spiel mit Geschenken zuschütten. 'Soll ich Dir helfen?' 'Das schaffst Du bestimmt nicht alleine!' Das fand sie am Anfang noch ganz cool, allerdings wird das Spiel dadurch auch schnell langweilig.

"Entweder bist Du als Mädchen eine Göttin oder ein nicht ernst zu nehmender Fake Nerd, der nur Aufmerksamkeit will. Das nervt!"

 

In Online-Multiplayern benutzt Jenny mittlerweile einen neutralen Nickname und redet auch nicht gerne über Voice Chat, wo ihre weibliche Stimme natürlich erkannt wird. Wenn sie ihre Kumpels zu sich nach Hause einlädt, sind diese meistens erstaunt, wenn sie in der einen Ecke Jennys Schreibtisch sehen und in der anderen ihren Schminktisch. "Ich finde es schade, dass das für viele Leute noch zwei komplett verschiedene Dinge sind." Natürlich gibt es auch Gamer, die vollkommen cool reagieren. Deshalb fühlt sich Jenny in der USK so wohl und wünscht sich, dass sie in der Zukunft mit allen Kerlen ganz selbstverständlich über Games reden kann.

"Ich finde nicht, dass ich mich in irgendeiner Weise von den Jungs unterscheide. Wir haben das gleiche Potenzial, gut oder schlecht aus dem Spiel herauszugehen, Erfahrungen zu sammeln und besser zu werden."

Blöde Sprüche und Beleidigungen musste Jenny in Online-Games auch schon kassieren. Viele davon gehen über die allgemeinen 'Deine Mutter...' -Witze hinaus. Wenn sie sich mit anderen Gamerinnen austauscht, wird schnell klar: Es gibt immer noch das Idealbild einer Gamerin. "Du musst gut aussehen, darfst aber nicht zu sexy sein. Du sollst im Spiel auch mal richtig draufhauen können, darfst aber nicht zu männlich sein. Die Leute wollen immer beides haben. Das ist ein ziemlich enger Raum, in dem man sich als Gamerin bewegen darf, ohne in ein Vorurteil zu stapfen."

Fiese Kommentare und vorurteilsbehaftete Reaktionen sind für Jenny eine der dümmsten Gründe, warum Gamerinnen die Spielfreude kaputt gemacht wird. "In Online-Games kann es trotzdem immer wieder vorkommen, dass man einen blöden Spruch abbekommt. Ich finde es wichtig, dass man sich ein Team sucht und online mit Freunden spielt, die sich gegenseitig auch mal verteidigen."

Ein Ratschlag liegt Jenny besonders am Herzen:
"Wenn Dich in Online-Games etwas stört, dann mach den Mund auf! Es ist Dein gutes Recht, etwas zu sagen. Und das kann manchmal auch wirklich helfen." Während eines Quick Plays, bei dem Jenny Team Leader war, füllte ein Mitspieler den Chat mit unangebrachten Kommentaren gegenüber Frauen. Am Anfang sagte Jenny nichts, um den Spielspaß der Gruppe nicht zu verderben. Aber irgendwann platzte ihr der Kragen und sie teilte dem Sprücheklopfer mit, dass sie ihn für dieses Verhalten aus dem Team werfen würde. Daraufhin entschuldigte er sich und hörte mit den Beleidigungen auf. "Es war schön zu sehen, dass er mich respektierte und wirklich einsah, dass sein Verhalten nicht okay war. Wir haben das Quick Play ganz normal weitergespielt und es wurde nie wieder ein Wort darüber verloren."

Mehr Tipps und Infos findest Du in unserem Themenmodul "Respektvoll in Online-Games".
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