Thema "Schau nicht weg! - bei Cybermobbing"

Wenn wir in die Welt von YouTube, Instagram oder Snapchat eintauchen, wollen wir Spaß haben. Wir tauschen uns mit anderen aus, schauen lustige Videos oder informieren uns über die neuesten Trends. Viele Nutzer*innen verbreiten mit ihren Posts wirklich gute Laune in der Community. Hier umgeben wir uns gerne mit coolen Leuten und schönen Bildern. Über WhatsApp bleiben wir den ganzen Tag mit unseren Freund*innen in Kontakt, egal wo wir gerade sind. Doch unsere Social Media-Logins und Gruppenchats sind nicht immer ein Freifahrtschein für Unterhaltung und starke Freundschaften. Was ist, wenn sich das Netz plötzlich gegen uns richtet? Und wir mit dem Blick auf unser Smartphone ein ziemlich mieses Gefühl bekommen?

Was genau ist eigentlich Mobbing?

Von Mobbing spricht man, wenn jemand über einen längeren Zeitraum hinweg von einer einzelnen Person oder einer Gruppe beleidigt, bedroht und bloßgestellt wird. Diese Handlungen können mit Worten (psychische Gewalt) oder mit Taten (physische Gewalt) ausgeübt werden. Zwischen Täter*innen und Opfer gibt es oft ein ungleiches Machtverhältnis. Die Täter*innen suchen sich ein Opfer aus, das sich gegen die Angriffe nur schwer zur Wehr setzen kann.

Klingt abgespaced, ist aber real: Cybermobbing

Mobbing findet offline und online statt. Moderne Kommunikationsmittel, wie z.B. das Smartphone, ermöglichen solche Übergriffe auch im Netz. Cybermobbing-Attacken werden in sozialen Netzwerken (z.B. Facebook) und mithilfe von Instant-Messaging-Diensten (z.B. WhatsApp) ausgeübt. Mit digitalen Worten, Bildern und Videos erleben die Opfer auch hier Demütigungen und Anfeindungen. Das Phänomen hat viele Gesichter: In privaten Chats oder öffentlichen Posts werden die Betroffenen bedroht und beschimpft oder mit Spamnachrichten belästigt. Peinliche Bilder und Videos werden in sozialen Netzwerken veröffentlicht oder in Gruppenchats weitergeleitet, damit sich möglichst viele Leute darüber lustig machen können. Manchmal gründen die Täter*innen auch Hassgruppen oder erstellen Fake-Profile, um Gerüchte und Lügen über eine bestimmte Person zu verbreiten.

Cybermobbing und Mobbing gehen oft Hand in Hand. Anfängliche Cybermobbing-Attacken werden im realen Leben weitergeführt. Manchmal verlagert sich das Mobbing vom Schulhof auch mit der Zeit ins Netz. Dabei gibt es einige Unterschiede zwischen online und offline. Mobbing im realen Leben ist schlimm genug. Demütigungen im Netz können auch sehr gefährlich und belastend sein:

Mobbing rund um die Uhr
Im realen Leben findet das Mobbing an einem bestimmten Ort statt, z.B. in der Schule. Cybermobbing begleitet uns hingegen immer und überall im Alltag. Denn unser Smartphone haben wir ständig bei uns. Das eigene Zuhause bietet also keinen Schutz mehr und die Opfer finden meist keine Ruhe vor den Angriffen.

Großes Publikum
Demütigungen lassen sich im Netz schnell und einfach verbreiten, z.B. durch Gruppenchats, Liken oder Teilen. Mit einem Klick können verletzende Inhalte an die gesamte Freundesliste weitergeschickt werden und das Opfer wird vor einem großen Publikum bloßgestellt.

Das Netz zeigt nicht alles
Während Mobbing im realen Leben von Angesicht zu Angesicht stattfindet, können die Täter*innen im Netz anonym bleiben und werden mutiger. Wie sehr die Beleidigungen die Betroffenen tatsächlich verletzen, wissen die Beteiligten nicht. Die Reaktionen des Opfers bleiben dem Netz verborgen.

Warum gibt es überhaupt Cybermobbing?

Mobbing kann aus purer Langeweile entstehen. Ein kleiner Scherz entwickelt sich im Netz aber schnell zu einem großen Problem. Viele Täter*innen fühlen sich cool und mächtig, wenn sie sich ein Opfer vornehmen. Andere wollen einfach nur zu einer Gruppe dazugehören. Aus Angst, selbst zum Opfer zu werden, machen sie mit. Auch Stress und Streit in der Klassengemeinschaft oder unter guten Freund*innen kann sich ins Netz verlagern und wird dort weiter verstärkt. Manchmal führen auch Neid, Hass und Rassismus dazu, dass einzelne Personen im Netz zum Mobbing-Opfer werden.

Von Online zu Offline: Die Folgen

Was manchmal wie ein harmloser Spaß im Netz wirkt, kann für die Opfer im realen Leben schlimme Folgen haben. Demütigungen rund um die Uhr können Bauchschmerzen und Schlafprobleme hervorrufen. Die Betroffenen schwänzen immer öfter die Schule und ihre Noten werden schlechter. Sie schämen sich für die Demütigungen und fühlen sich alleine gelassen. Oft flüchten sich die Betroffenen in andere Welten, wie z.B. Online-Games. Hoffnungslosigkeit macht sich breit, die nicht selten zu Depressionen oder sogar Selbstmordgedanken führen kann.

Irgendjemand wird schon eingreifen - oder doch nicht!?

Mobbing ist ein Gruppenphänomen. Es sind nur wenige Täter*innen aktiv. Viele schauen zu, halten sich aus der Sache raus oder schauen ganz einfach weg. Bei einem Mobbing-Vorfall nehmen die Beteiligten unterschiedliche Rollen ein: Neben dem Täter und seinem Opfer gibt es oft viele Mitläufer, die die Täter*innen in ihrem Verhalten bestärken. Durch das Machtungleichgewicht (Alle gegen Einen) kann das Opfer die Situation nicht alleine bewältigen, sondern braucht Hilfe von Anderen. Viele Außenstehende (auch Bystander genannt) finden es nicht gut, was die Täter*innen und ihre Mitläufer*innen tun, halten sich aber raus. Manchmal wissen die Bystander ganz einfach nicht, wie sie dem Opfer helfen können. "Irgendjemand wird schon eingreifen", "Das ist nicht meine Angelegenheit" oder "Ich sage lieber nichts, bevor ich noch selbst zum Opfer werde" sind typische Gedanken.

Auch Du kannst etwas dagegen tun - mit Deinem Verhalten im Netz!

Wenn wir Mobbing im Netz beobachten, zählt unser eigenes Verhalten. Es macht einen Unterschied, ob wir wegschauen oder den Mund aufmachen und den Betroffenen zur Seite stehen. Du möchtest mit Deinem Online-Verhalten ein Zeichen gegen Cybermobbing setzen?
Hier sind einige Tipps!

Ich werde im Netz gemobbt - Wie gehe ich damit um?

  • Mach Dich nicht klein!
    Lass Dich nicht von den Beleidigungen und dem miesen Gefühl beeinflussen. Du bist okay so wie Du bist. An Dir ist nichts falsch und es gibt nie einen Grund, warum jemand gemobbt werden sollte.
  • Mobber blockieren und Beweise sichern!
    Manchmal ist es schwierig, Beleidigungen und Spamnachrichten einfach zu ignorieren. Du kannst die Täter*innen blockieren, damit Du Ruhe vor ihnen hast. Bei Staysafe findest Du Anleitungen für WhatsApp, Facebook & Co. Die verletzenden Posts und Chatverläufe solltest Du außerdem per Screenshot speichern, auf der Plattform melden oder damit zur Polizei gehen.
  • Hilfe holen!
    Viele Opfer schämen sich dafür, gemobbt zu werden. Mache kein Geheimnis daraus, sondern wende Dich an Deine Freunde, Eltern oder andere Vertrauenspersonen. Du kannst Dich auch ganz anonym bei uns JUUUPORT-Scouts in der Online-Beratung melden. Wir sind gerne für Dich da!

Gegen Cybermobbing ankämpfen - Das kannst Du tun!

  • Biete Deine Hilfe an!
    Wenn Du mitbekommst, dass jemand aus Deinem Umfeld gemobbt wird, dann stehe dem Opfer zur Seite. Biete Deine Unterstützung an und zeige dadurch, dass er oder sie in der Situation nicht alleine ist. Manchmal hilft es schon, einfach zuzuhören. Oder ihr geht gemeinsam zu den Eltern oder einer Lehrkraft und sprecht das Problem an.
  • Mund aufmachen!
    Mache anderen Nutzer*innen klar, auf welcher Seite Du stehst. Sei kein*e Mitläufer*in und leite keine peinlichen Bilder oder Videos weiter, die Du bekommst. Behandele Andere so, wie auch Du behandelt werden willst. Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Dir niemand zur Seite steht? Du kannst die Täter*innen zur Rede stellen oder andere Bystander überreden, mit Dir gemeinsam gegen das Mobbing anzugehen.
  • Werde aktiv!
    Wir bei WERTE LEBEN - ONLINE machen uns stark für mehr Respekt und Mitgefühl im Netz. Auch Du kannst gemeinsam mit uns Dein Zeichen gegen Cybermobbing setzen. Mach einfach mit - bei unserer Social Media-Aktion!

Du willst mehr zu diesem Thema erfahren?

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Quellen:

"Was tun bei (Cyber)Mobbing?" Klicksafe (2018).
"Mobbing in der Schule. Themenblätter im Unterricht." Bundeszentrale für politische Bildung (2016).
"Berlin-Brandenburger Anti-Mobbing-Fibel." Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (2008).
"Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten und tun können" Olweus, Dan (1995).